Fußball -- Ein biografisches Gesellschaftsspiel
Wenn bei einem Fußballspiel Holland gegen Deutschland antritt, spielen Erinnerungen mit: an den Zweiten Weltkrieg und andere Schlachten. Der Rasen wird zum Feld der Ehre, jeder Schuss ein Treffer ins Herz der gegnerischen Fans. Übertrieben? Nicht mal ein bisschen.
Thomas Snyder, Historiker des holländischen Nationalteams, nennt die niederländisch-deutsche Fußballrivalität die "vielleicht giftigste auf der Welt". Spiele zwischen den beiden Teams haben Tumulte entlang der gemeinsamen Grenze ausgelöst -- die kriegsähnlichsten Situationen, die man innerhalb der EU je erlebt hat. Sie haben einen Gedichtband auf holländischer und einen Erfolgsschlager auf deutscher Seite hervorgebracht. Ein deutscher Kanzler und ein holländischer Premierminister haben zusammen Länderspiele besucht, um den Fans ein friedfertiges Vorbild zu geben.
Viel hat sich seither getan, der Fußball trennt Deutschland und die Niederlande nicht mehr, er verbindet dank Louis van Gaal, Ruud van Nistelrooy und Arjen Robben. Es gibt holländische Fußballfans, die sich zum FC Bayern bekennen und überhaupt, spielen die Deutschen seit ein paar Jahren einen so erfrischenden, ganz und gar undeutschen, ja geradezu coolen Fußball, dass selbst die härtesten Fußballgegner Respekt zollen und den Niederländer schon mal für Deutschland schreien und klatschen lassen. Zu verdanken haben die Deutschen diesen Zustand sicherlich auch der holländischen Philosophie vom "Fußball Total", die über niederländische Trainer wie Louis van Gaal in der Deutschen Bundesliga erfolgreich angewendet wird. Die kürzlich erschienene Biografie von Louis van Gaal ist für den Deutschen Biographiepreis 2011 nominiert. Der Ex-Bayerntrainer ist gespannt auf das Ergebnis in Nordwalde.
Die 4. Nordwalder Biografietage wollen mit "Neunzig Minuten Hass -- Fußball, ein biografisches Gesellschaftsspiel" vielfältige Biografien vorstellen, die über ihre Lebensgeschichten den Sport und seine gesellschaftliche Relevanz auch am Beispiel des deutsch-holländischen Verhältnisses darstellen. Übrigens haben die deutschen Frauenfußballerinnen 1955/56, als Frauenfußball offiziell noch verboten war, ihr erstes inoffizielles Länderspiel gegen Holland gespielt. Wir möchten alle möglichen Aspekte des Fußballs aber nicht nur ernsthaft sondern mit viel Humor präsentieren, eine spielerische Komponente in Form eines deutsch-holländischen Fußballturniers haben und die guten Beziehungen innerhalb der Euregio Region nutzen, um die Kommunikation und das Zusammenleben weiter zu fördern.