"90 Minuten Hass - Fußball, ein biografisches Gesellschaftsspiel"
Vor fast jedem Dialog, innerhalb der eigenen Kultur oder auch darüber hinaus, gilt es häufig, einen tiefen Graben des Misstrauens und der Vorurteile zu überwinden.
Bei dem Thema der 4. Nordwalder Biografietage im September 2011 "90 Minuten Hass - Fußball, ein biografisches Gesellschaftsspiel", sollte das nicht anders sein. Dabei fing alles auf zwei Rädern und nicht auf dem Fußballfeld an. Auf einer Fahrradtour von Nordwalde nach Emsdetten kam ich durch ein kleines Tal, welches durch einen Bach geteilt wird.
Rechterhand liegt ein Fußballplatz. Erst auf der Brücke, die über den Bach führt, wurde mir klar, dass es sich hierbei um ein ganz besonderes Fußballfeld handelte, es gab nämlich keine Mittellinie, die beiden Spielhälften waren durch den Bach getrennt. Ich blieb sofort stehen und betrachtete interessiert diese Besonderheit. Der Bach war wie ein fast unüberwindbarer Graben, der die Spielhälften mit den jeweiligen Toren der gegnerischen Mannschaften trennte. Eine spannende Symbolik. Herrscht nicht häufig zwischen Mannschaften und deren Fans eine große Rivalität, bisweilen sogar Feindschaft? Steht dieser Graben doch genau dafür, was es zu überwinden gilt, um einen Dialog zu führen. Schlagartig musste ich an das deutsch-holländische Fußballverhältnis denken und den tiefen Graben der Feindseligkeiten gerade aufgrund der räumlichen Nähe, der unterschiedlichen Landesgröße und der Weltkriegsvergangenheit. Das Thema "90 Minuten Hass" war geboren.
Eine schnelle Recherche ergab, dass das Fußballfeld vom Kreis Steinfurt in Zusammenarbeit mit der Stadt Emsdetten als Kunstobjekt im Rahmen der Regionale gebaut worden war. Das Gelände stellte der Landwirt Joki Feldmann zur Verfügung. Gerade als wir diesen um einen Fototermin für das Titelbild der 4. Nordwalder Biografietage bitten wollten, wurde es ein wenig kompliziert. War doch die zehn Jahre währende Dauer des Projektes abgelaufen und am nächsten Tag sollten schon die Bagger kommen, um das Gelände wieder einzuebnen, die Tore waren bereits vom Bauamt abgebaut worden. Wir mussten schnell handeln. Zuerst wurde der Landrat des Kreises Steinfurt, Thomas Kubendorff, kontaktiert, der wiederrum seinen Dezernenten, dieser den zuständigen Abteilungsleiter bemühte. Parallel riefen wir die Stadt Emsdetten an, die wiederrum erwiderte, dass es zu spät sei, die Aufträge für das externe Bauunternehmen seien bereits erteilt worden. Sofort eilten wir nach Emsdetten, da der Kulturbau-Unternehmer Tönnes per Telefon am Abend nicht mehr zu erreichen war. Dieser liess sich bei Einwilligung des Rathauses in Emsdetten davon überzeugen, erst eine Woche später anzufangen. Am nächsten Tag sorgten dann diverse Telefonate und Emails dafür, dass alle zustimmten und wir unser Foto am Wochenende darauf machen konnten. Kommunikation macht's möglich!!! Dank dafür an alle involvierten Personen und Mitarbeitern der Kreisverwaltung und der Stadt Emsdetten, allen voran Landwirt Joki Feldmann, der Erich Tönnes GmbH, Landrat Thomas Kubendorff und Bürgermeister Georg Moenikes.
Hier nun ein paar Eindrücke vom Fotoshooting selbst. Hier gilt unser besonderer Dank der Fotografin Jeannette Lange, den Fußballmodels Jonas und Felix, der Nordwalder Bürgermeisterin Sonja Schemmann für die Fahrdienste (Jonas ist ihr jüngster Sohn), Rasenpflegeteam Kleimann für den LKW mit Anhänger und dem 1. FC Nordwalde, die uns zwei Tore geborgt haben. Jonas wollte übrigens unbedingt das holländische Trikot tragen, auf den Fotos hat er aber das deutsche Jersey an. Die Größe passte einfach besser. Der Trikottausch nach dem Fotoshooting machte ihn dann aber doch zum stolzen Besitzer des Oranje Trikots. Er wächst da bestimmt noch rein... Auch die Kleinen werden grösser! :-)
Matthias Grenda und Bernd Laukötter